Adventure Manufactory


Der aus Salzburg stammende Extremsportler Felix Baumgartner hat inzwischen in den USA den ersten Testsprung für sein "Stratos-Projekt“ erfolgreich absolviert. Was bei diesem Projekt wohl so viel heißt wie, „er lebt noch“. Aus einer schwindelnden Höhe von sage und schreibe 21.800 Metern sprang er mit dem Fallschirm ab und landete exakt drei Minuten und 33 Sekunden später in der Wüste von New Mexiko. Felix trainiert, um gleich vier Weltrekorde in einem Zug abzuschießen. Diesem Schritt ist er jetzt ein Stückchen näher gekommen.
Absprung aus 21.800m Höhe
Dies war der erste Sprung aus der eigens für den Sprung designten Druckkapsel, die an einem knapp 50 Meter hohen Heliumballon hängt. Innerhalb von einer Stunde und 40 Minuten erreichte der Ballon die geplante Absprunghöhe von augenwässernden 22 km für den ersten Testsprung der bemannten Phase des „Red Bull Stratos“ Projektes.




Mit über 590km/h Richtung New Mexico
Laut Felix Baumgartner lief alles wie geplant und es gab keine Probleme beim Aufstieg des ultraleichten Heliumballons. Nachdem Ausstieg aus der Kapsel stürzte er sich Richtung Erde. Vergiss deinen Traum vom Ferrari oder sonstigen super-ultra-schnellen Sportwagen. Das sind lahme Krücken im Vergleich zu diesem Sprung. Mit einer Geschwindigkeit von etwas über 590 km/h raste Felix gute dreieinhalb Minuten lang erdwärts. Du denkst jetzt vielleicht, krass, der Macker ist der Held oder lebensmüde (obwohl wir glauben, es gibt günstigere Wege, um sich von der Erde zu verabschieden), aber das war erst der Anfang.
Ziel ist es, den Geschwindigkeitsrekord von 1300 Kilometer pro Stunde aufzustellen und damit die Schallmauer im freien Fall zu durchbrechen. Dazu muss der Absprung um einiges höher liegen. Wir haben mal ein bisschen nachgeforscht und sind auf ein paar interessante Dinge gestoßen, die man als Hobby-Fallschirmspringer wohl getrost vernachlässigen kann. Über einer Höhe von 30 km gibt es so gut wie keine Luft zum Atmen. Das bedeutet auch, dass es keine Luft gibt, die einen Fall abbremst. Somit ist es nur über dieser Höhe möglich, eine derartige Geschwindigkeit zu erreichen – theoretisch, versteht sich. Die Zielhöhe für den finalen Weltrekordsprung beträgt über 36km – ja 36, hast du richtig gelesen! Das ist kein Tippfehler.
Aber, wie sollte es auch anders sein, da gibt es natürlich ein kleines Problem. Wenn Felix mit 1300km/h auf die erste Luftschicht der Atmosphäre in 30km Höhe trifft, wird er auf einen Schlag extrem abgebremst. Wenn der Körper in diesem Augenblick nicht komplett symmetrisch ist, dann kommt er ins sogenannte Flachtrudeln. Das bedeutet, der Körper fängt an sich extrem schnell horizontal um seine eigene Achse zu drehen und einem schießt das Blut in den Kopf. Falls du jetzt denkst, hmm, das klingt nicht gut. Bingo! Hier ist nicht die Rede von den üblichen ich-bin-besoffen-und-dreh-mich-ganz-schnell-im-kreis-ha-ha Umdrehungszahlen. Wenn man sich horizontal um die eigene Achse dreht, wird der Körper negativen G-Kräften ausgesetzt und man kann einen sogenannten Red Out bekommen – das Gegenteil vom Black Out, bei dem es einem das Blut aus dem Kopf heraus zieht. Es besteht die absolut reale Gefahr, dass die Umdrehungen über 150 pro Minute erreichen können, wenn sich der Körper eben nicht in hundertprozentiger Symmetrie befindet. Bei dieser Geschwindigkeit will das Blut dem Körper entfliehen. Es sei denn, du hast eine weiche Stelle am Fuß, geht das am einfachsten durch die Augen. Das wäre das letzte Abenteuer für Felix Baumgartner.
Laut Felix machte ihm die extreme Kälte in den vorerst „nur“ 22km Höhe am meisten zu schaffen: "Ich konnte meine Hände kaum bewegen. Daran müssen wir noch arbeiten", so Felix. An die ungewohnte Dimension des Sprunges musste sich der Salzburger erst noch gewöhnen: "Als ich nach einiger Zeit den Schirm öffnen wollte, bemerkte ich, dass ich noch auf über 15.000 Meter war - in der Todeszone."

Die Risiken
Das Ziel dieses Tests war es, über die sogenannte Armstrong-Linie hinauszufliegen. So nennt man in der Raumfahrt jenen lebensbedrohlichen Bereich, in dem Flüssigkeiten - also auch Blut und solches Zeug - zu verdampfen beginnen und die Temperaturen bei knapp minus 60 Grad Celsius liegen. Nur mithilfe der high-tech Ausrüstung konnte er zudem den Unterdruck und den Sauerstoffmangel überleben. Die erste wirklich gefährlich Phase erwartete den Abenteurer jedoch bereits viel früher: Während der ersten 300 Meter des Aufstiegs mit dem Ballon gibt es im Falle einer Fehlfunktion keine Rettungsmöglichkeit, weil die Zeit für das wirksame Auslösen der Fallschirme nicht reicht. Wenn man ständig diese extremen Höhen hört könnte man fast meinen, was soll einem bei einem 300m Fall schon passieren? Ein paar Prellungen höchstens!
Selbst mit seinem Test für den Stratos-Sprung aus einer Höhe von 21.800 Metern schaffte es der Abenteurer bereits in die Rekordbücher. Er ist erst der dritte Mensch, der einen Absprung aus dieser Höhe überlebte. Nur der Russe Jevgeny Andreev und der US-Amerikaner Joseph Kittinger kamen in den 1960er-Jahren noch höher. Der legendäre, inzwischen 83-jährige Kittinger ist Mentor des Projekts "Red Bull Stratos" und leitete den Test von der Mission Control in Roswell aus. Kittinger ist Teil eines knapp 100 Personen umfassenden Teams mit Experten aus Wissenschaft, Medizin und Raumfahrt. Der nächste große Test ist für Juni geplant.


Vier Weltrekorde
Warum nur die Schallmauer „zu Fuß“ durchbrechen, wenn man nebenbei gleich ein paar weitere Rekorde vom Himmel schießen kann – wortwörtlich. Mithilfe von Kittingers Erfahrung und dem Wissen der Experten soll es Felix nun bald gelingen, gleich vier Rekorde zu brechen: den höchsten bemannten Ballonflug (35.576 Meter), den höchsten freien Fall, Überschallgeschwindigkeit im freien Fall und den am längsten dauernden freien Fall (Dauer etwa 5:30 Minuten).
Zusätzlich verspricht sich das Team völlig neuartige Erkenntnisse im Bereich Raumfahrt und Medizin. Die gewonnenen wissenschaftlichen Daten sollen dazu beitragen, den Aufenthalt im Weltraum durch neue technische Errungenschaften in Zukunft noch sicherer zu machen.


Für solche Erkenntnisse muss man schon mal aus über 36km Höhe in einem Raumanzug aus einer Druckkapsel springen und auf dem Weg nach unten die Schallmauer durchbrechen. Kinderspiel!

Leave a Reply