Adventure Manufactory

Eine kleine Geschichte über Omas Auto und das Gefühl Vogelfrei zu sein – oder wie man eine komplette Schnapsidee in acht Wochen umsetzt… Ein Ausflug vom Kampf mit Excel Tabellen, kahlen Büros und Uni Hörsälen auf den zweithöchsten Highway der Welt.


Stell dir die am besten organisierte Reise vor, die du je unternommen hast. Monate lang wurde geplant, gemacht und getan. Du bist auf alle Eventualitäten vorbereitet und es gibt nichts, was deine Pläne durchkreuzen könnte. Du sitzt in einem trockenen, extrem komfortablen und klimatisierten Geländewagen. Der Innenraum hat noch diesen Geruch von neuem Auto, hmmm. Die Straßen sind perfekt und weit und breit gibt es noch nicht einmal ein Schlagloch. Abends wirst du von einem Starkoch verwöhnt und du musst dich um absolut gar nichts kümmern. Der perfekte Urlaub! Nun stell dir das genaue Gegenteil vor: dreieinhalb Unterhosen und fünf verschiedene löchrige Socken gepackt. Dazu noch ein Paket Panzerklebeband, ein paar Kabelbinder, eine gehörige Portion positiven Idealismus und deine Kumpels im Gepäck. Deine Pläne entstehen auf der Straße und ändern sich mit jeder neuen Herausforderung, die das Abenteuer dir ins Gesicht wirft. Ein motorisiertes Gefährt aus der Ära deiner Oma und mit der Power eines Rasenmähers, Straßen, die wie unbetretene Wanderpfade aussehen (wenn es denn welche gibt) und Schlaglöcher so tief, du könntest deine Karre darin parken. Kein Mechaniker weit und breit, nur du, deine Kumpels, Wüste und Bergpässe auf über 4600m in den abgelegensten Teilen dieser Erde. Fernab jeglicher bekannten Form des „normalen“ Lebens und mitten in einem Abenteuer, das du nie vergessen und deine Freunde nie glauben werden. Klingt komplett verrückt? Ist es!

Ein ganz normaler morgen im späten April in England

Piep… piep … piep … piep … piep-piep … piep-piep … piep-piep … Schnauze! Ich halt es nicht mehr aus und rolle mich mit leicht erhobener Hand zur Seite in Richtung Wecker. In der Hoffnung, dass der Schwung der Drehung meiner Hand genug Kraft verleiht, um dem Wecker den Gar aus zu machen. Egal, ich schäle mich gemächlich aus dem Bett. Ok, ehrlich gesagt habe ich gerade erst ein Augenlied hochgepellt und der Wecker piepst noch immer wie bekloppt, aber das habe ich inzwischen ausgeblendet. Das ist jahrelanges Training, sag ich euch. Inzwischen frage ich mich, wie lange es wohl dauert, bis mein anderer deutscher Mitbewohner ins Zimmer gestürzt kommt und mir die Fresse mit meinem Wecker poliert. Ich warte noch kurz. Nichts passiert. Scheint so, als sei auch Ben noch im Traumland unterwegs. Also alles gut!

Es ist verdammt nochmal 7:00 Uhr morgens. Kein Student sollte zu dieser unsäglichen Zeit aufstehen müssen. Kurz denke ich darüber nach, eine Protestaktion gegen frühe Vorlesungen anzuzetteln, aber dann fällt mir ein, dass ich ja eigentlich aus einem ganz anderen Grund aufgestanden bin und verstaue den Gedanken unter der Rubrik „to do list“. Ich muss mit meinem Kumpel aus Australien skypen. Es ist ein sehr wichtiges Gespräch, das eigentlich schon lange überfällig ist.

Während ich ins Bad stolpere, denke ich darüber nach, warum man sich in anderen Zeitzonen nicht einfach nach den Briten richten kann. Schließlich haben die den Zeitkram erfunden mit Greenwich und so. Sollen sie doch nachts leben und tagsüber schlafen. Zumindest müsste ich mich dann jetzt nicht hochquälen.

Während ich so meine Zähne putze, schlendere ich die Treppe runter in die Küche und mache mir noch schnell ein Toast mit Butter und zwei Kaffee – doppelt hält besser. Die Küche ist ein Minenfeld aus rasiermesserscharfen Kronkorken von der letzten Studentenparty. Mit gekonnten Ausfallschritten navigiere ich durch die Klingen. Mit Kaffee wird der schlimmste Tag schön – true story! Die Röster werden Pleite gehen, wenn ich mal nicht mehr bin, denke ich so vor mich hin, während der Kaffee langsam in der Kanne zu brodeln beginnt. Endlich ist er fertig! Drei große Schlucke und ich fliege die Treppe wieder hoch wie ein junger Gott – trotz meines Katers. Rupert wartet schon. Rupert, das ist mein Kumpel aus Australien. Wir kennen uns seit sechs Jahren, aber ich habe schon so viel mit ihm erlebt, es fühlt sich fast so an, als würden wir uns schon aus Kindergartenzeiten kennen.

Wir wollen diese krasse Reise machen. Nach Tadschikistan soll es gehen. Als er das Land das erste Mal vor zwei Jahren erwähnt hat, hätte ich  beinahe „Gesundheit“ gesagt. Wie peinlich. Ich dachte ich wäre gebildet genug, um nicht ein Land mit dem Resultat eines simplen Nase-Juckens zu verwechseln. Naja, so kann man sich irren.

Rewind…!

Australischer Sommer 2008 (also unser Winter) – irgendwo in der West Australischen Wüste

„Irgendwie werden unsere Touren auch nicht interessanter oder?“ sagt Rupert plötzlich, nachdem er einen großen Schluck Bier aus der schönen Emu Bitter Dose nahm. Es ist inzwischen fast 1:00 Uhr nachts und wir starren in den extrem klaren Sternenhimmel. Man kann mit bloßem Auge die Milchstraße erkennen. Wir liegen irgendwo in der Wüste im warmen Sand vor Ruperts Geländewagen. Wir sind auf dem Weg nach Exmouth, um auf einer einsamen Insel im Indischen Ozean für acht Tage unser Lager aufzuschlagen und tauchen zu gehen, wo noch nie jemand vor uns getaucht hat. Nicht das jetzt jemand denkt, wir wären Extremsportler oder so was. Man könnte uns eher als das genaue Gegenteil bezeichnen. Wir trinken gerne mal ein Bier oder einen Gin & Tonic und auch gerne mal einen über den Durst, fahren lieber Auto als Fahrrad und meiden Fitnessstudios mit großem Sicherheitsabstand. Aber wir beide lieben das Outdoor-Leben über alles. „Wie meinst du das?“ Erwidere ich in einem wohl etwas unverständnisvollen Ton, da Rupert sich daraufhin aufrappelt, kurz überlegt und dann sagt, „naja, wir cruisen immer in dieser dicken Kiste durch die Gegend, machen viel draußen, aber so ein richtiges Abenteuer ist das ja nicht, oder?“ Ich weiß genau was er meint. Eigentlich sind wir nie fern ab von der Zivilisation. Rupert war schon für die UN in Sri Lanka tätig. Das war nach dem schlimmen Tsunami in 2004. Er weiß, was es bedeutet Grenzerfahrungen zu machen, auch wenn es damals nicht gerade ein schöner Anlass war. Er war mitten im Nirgendwo und hat die Hilfsorganisationen vor Ort koordiniert. Seine Organisationsgabe hat mich schon immer fasziniert. Der Mann kann jeder Situation etwas Gutes abgewinnen und findet immer einen Weg. Beeindruckend. „Lass uns nach Tadschikistan fahren“ schießt es auf einmal aus ihm heraus. “Tadschi…was??“ „Aber nicht in so einer großen Karre. In einer kleinen Blechdose. Sagen wir, maximal 1 Liter Hubraum. Es soll eine Herausforderung sein“. Ich weiß noch immer nicht, wo oder was Tadschikistan ist, aber die Idee klingt so bekloppt, dass ich begeistert bin. Zugegeben, zwischen uns liegen schon einige gelehrte Bierdosen, aber ich bin mir sicher, dass dies die genialste Idee ist, die ich je gehört habe. Wir spinnen noch eine Weile über das große Abenteuer herum bis wir letztendlich in unseren Schlafsäcken liegend unter freiem Himmel weg dösen.

Fast Forward, aber nicht zu weit…

Ich sitze in einem kahlen Büroraum in Deutschland und kämpfe mit einer Excel-Tabelle. Mit einmal klingelt mein Handy. „Ja, hallo?“ „Bo! Wir machen das jetzt. Nächstes Jahr im Juli geht’s los!“ tönt es in einem australischen Slang aus dem Hörer.

Inzwischen ist unsere Unterhaltung über diese Schnapsidee schon wieder ein Jahr her. Mann, die Zeit rennt wirklich schnell. Ich bin bereits seit einem Jahr im Studium und mache gerade ein Praktikum in München. Ich hatte ihn aber keinesfalls vergessen, den Traum vom großen Abenteuer. Irgendwo im Hinterkopf schwirrte diese Idee ständig herum. „Alles klar, machen wir“, sage ich. „Aber es muss in meinen Semesterferien sein.“ Das Ding steht und ich bin inzwischen total aufgekratzt. An Arbeit ist gar nicht mehr zu denken. Am liebsten würde ich morgen gleich losfahren!

Der besagte Morgen im späten April in England…

„Hello Australia! This is Germany calling. How the bloody hell are ya?“ beginne ich, das erste von vielen kommenden Skypetalks, in dem wir unsere Reise einigermaßen planen wollen. Eine Webseite muss her, aber dalli, beschließen wir. Irgendwie müssen wir die Leute ja auf dem Laufenden halten und ein paar Mücken für einen guten Zweck zu sammeln, wäre auch nicht schlecht. Wir entschließen uns für die Kinderstiftung Hänsel + Gretel. Die gröbsten Details sind schnell abgehandelt, aber es gibt noch ein Problem. Wir haben beide eigentlich keine Kohle. Schon schlimm, wenn man es bedenkt. Ich habe schon auf drei Kontinenten gearbeitet und nun drücke ich wieder die Schulbank und bin komplett abgebrannt. Kurz überlege ich, wie ich diese Reise meinen Eltern als Bildungsurlaub verkaufen könnte, um denen ein bisschen Geld abzuschwatzen. Aber die würden mich wohl für komplett bescheuert erklären. Also vergesse ich den Gedanken ganz schnell wieder.

Wir müssen irgendwie Sponsoren finden. Das kann doch nicht so schwierig sein. Unser Vorhaben ist so bekloppt und gleichzeitig genial, das muss man doch irgendwie vermarkten können. Wir haben nur noch zweieinhalb Monate, bevor wir los wollen.

In den darauffolgenden drei Wochen baut Rupert unsere Webseite auf und ich nerve jeden Redakteur und jedes Unternehmen, das mir in die Quere kommt. Wir verabreden uns für Mitte Mai mal wieder zum skypen, um den Stand der Dinge zu klären.

Mitte Mai…

„Hello Australia! This is Germany calling. How the bloody hell are ya? The website looks stunning!“ Die Webseite sah wirklich genial aus. Rupert hatte in der Zwischenzeit ein Logo für uns entworfen und ich habe eine Marketingagentur überreden können, uns einen Batzen Kohle mit auf den Weg zu geben und unser brandneues gekritzeltes Logo zu digitalisieren. Perfekt, aber die Kohle reicht noch nicht. Also haben wir uns dazu entschlossen etwas härtere Bandagen anzulegen, um die nötigen Moneten zusammenzubekommen. Jede Tante, Oma, Opa, Onkel und jeder Freund wurde drangsaliert, ein paar Euros abzudrücken. Dazu hatte Rupert die geniale Idee, einen Filmabend mit Abenteuerfilmen in seiner Heimat, Adelaide, in einem Kino zu veranstalten. Der Andrang war wesentlich größer als wir gedacht hatten und es kamen satte 800 Dollar zusammen. Der Kinosaal platzte aus allen Nähten. Es fanden sich auch einige nette Notizen im Spendenkasten wie z.B. „meine 20 Dollar sind für Eure Beerdigung. Warum tut ihr euren Müttern das an?“ Wir hätten der Person gerne einen Brief geschrieben, dass Beerdigungen heutzutage sehr teuer seien und er oder sie doch vorsichtshalber ein paar Dollar mehr springen lassen sollte, aber leider lag keine Adresse bei. Schade. Wirklich sehr schade…

Nach unseren kleinen Erfolgen fühlten wir uns beide ein bisschen wie eine Kreuzung aus John Wayne und Chuck Norris. Unbesiegbar! Wir haben noch keine Ahnung, dass im Verlauf unseres Trips auch noch mehrfach McGyver am Start sein wird. Während wir da so weiter am PC herumwitzeln klingelt mit einmal mein Telefon. Hmm, deutsche Nummer. „Ja, hallo…? Ach, HALLO! Das ist ja klasse, dass ihr anruft. Worum geht’s?“ „Wir wollten nur kurz nachfragen wie groß die Folien sein dürfen“, sagt Rieke. Sie ist unsere Ansprechpartnerin bei der Marketingagentur, die wir für unser Abenteuer gewinnen konnten. „Welche Folien?“ frage ich etwas verdutzt und denke mir so, was haben die denn jetzt vor. „Na für eure Rallyekarre natürlich!“ Ach ja, das Auto. Scheiße! Das hatten wir ganz vergessen. „Äh, das kann ich dir so jetzt leider noch nicht sagen. Ich muss das erst noch ausmessen. Ist es ok, wenn ich dich diesbezüglich nächste Woche nochmal anrufe?“ Puh, denke ich und klopf mir gedanklich schon auf die Schulter. Souverän gerettet! „Klar, kannst du gerne machen. Etwas Zeit haben wir ja noch. Also, ciao und gutes Gelingen mit euren weiteren Vorbereitungen. Wir verfolgen das alles auf eurer Webseite. Bis dann…“ und dann war sie weg. Mist, dachte ich. Mist! Sie weiß, dass wir noch kein Auto haben. Ob die wohl wirklich immer auf unsere Webseite gucken? Ach was, das waren doch nur Nettigkeiten. Oder?!

„Wer war das?“ Tönt es neugierig und blechern aus den Lautsprechern meines Laptops, während sich gleichzeitig ein nicht mehr erkennbares Gesicht gegen die Kamera auf der australischen Seite presst. „Tja, das war der Marketingladen. Du glaubst nicht, was die wollten. Die wollen Maße für ihre Folien haben.“ Der Laptop blechert zurück: „Was zur Hölle wollen die denn jetzt mit Folien??“ Es ist schon schön zu wissen, dass man nicht der einzige Penner in dieser Aktion ist. „Für das Auto Mann!“. Dann war für ein paar Sekunden Totenstille, bis Rupert letztendlich los lacht und sagt, „naja, das ist jetzt echt dämlich. Daran hab ich gar nicht mehr gedacht.“ „Ne, ich auch nicht. Da muss ich mich jetzt erst mal drum kümmern. Lass uns nächste Wochen nochmal skypen, dann weiß ich mehr. See ya!“

Aus der Woche wurden letztendlich zwei Wochen. Macht aber nichts, wir haben ja eigentlich noch massig Zeit. Ich habe uns in der zweiten Woche einen fetzigen roten Daihatsu Cuore ergattern können. Super günstig geschossen und nicht mal 80.000 km auf der Uhr. Das Biest hat sogar weniger als 1 Liter Hubraum. Genau 998cc und sage und schreibe 51PS. Ich bin dafür extra wieder nach München geflogen, weil ich auf keinen Fall 10,000 km auf der falschen Seite sitzen wollte. Wer schon  mal mit dem Auto in England war, weiß, dass es dort 62 Mio. Geisterfahrer gibt.

Nach der ersten Testfahrt, zuerst mit 140 Klamotten bei 3000 Umdrehungen auf der Autobahn und dann mit fast 70 Sachen über einen benachbarten Acker, wird der Kleine von mir auf The Beast getauft – wie sich später herausstellt, ist der Name Programm, denn wir haben das Ding auf jeder Piste bis zuletzt gequält. Ich nutze die restlichen zwei Tage in München, um The Beast die richtige Kriegsbemalung zu verpassen. Rallyestreifen müssen her. Fette, weiße Rallyestreifen! Gesagt getan. Ab in den Baumarkt, das Mekka aller Männer. Ich besorge mir ein paar Dosen Sprühfarbe. Weiß für die Rallyestreifen und ein paar weitere, um die australische und deutsche Flagge hinten auf dem Auto, gleich neben unseren Namen, zu platzieren. Schließlich sind wir jetzt Rallyefahrer. Da muss alles stimmen.

Der Laptop bimmelt mal wieder. Diesmal darf die australische Seite sich zu unmenschlicher Zeit aus den Federn winden. Wir wechseln uns immer ab. Mal morgens, mal abends. Rupert sieht ziemlich zerknautscht aus, als er ins Blickfeld der Webcam rückt. „ Wie sieht’s aus, haben wir ein Auto?“ blechert es mal wieder aus den Lautsprechern. „Nein, haben wir nicht“, „WAS, wieso nicht?? Ich dachte, du hättest eins geschossen?“ kreischt es aus dem Gerät. „Ne man, das ist kein Auto. Autos halten das nicht durch, was ich der Kiste schon alles angetan habe. Das Ding ist ein Biest – The Beast!“. Damit konnte ich ihm sogar ein fettes Grinsen um diese Uhrzeit entlocken. Bei ihm war es so ca. 6:30 Uhr morgens. „Na, dann steht die Sache ja. Jetzt müssen wir nur noch ein paar popelige Visa bekommen und ab geht die Post. Easy!“

Eine Woche vor dem Start bekommt The Beast noch einen
provisorischen  Unterbodenschutz
Wenn man drüber nachdenkt, war es echt krass. Wir haben mit minimalem Aufwand ein paar tolle Sponsoren zusammengekratzt, The Beast erstanden und fast 2000,- Euro eingesammelt. Und das Ganze in nur einem Monat. Wir haben einfach alles auf uns zukommen lassen und keinen großen Hehl aus den Vorbereitungen gemacht. Ehrlich gesagt, hatten wir auch nicht die Zeit. Rupert war bis eine Woche vor dem Start noch in Australien und ich hatte von Mitte Mai bis Anfang Juli Prüfungsphase in der Uni.

Der Endspurt…

In den letzten vier bis fünf Wochen, bevor wir uns ins große Abenteuer gestürzt haben, wurde nochmal richtig Gas gegeben, was die Sponsorensuche anging. Der Marketingmanager von Daihatsu Deutschland war schnell begeistert von der Idee, einen alten Cuore durch die Wüsten zu prügeln und der Werkstattleiter wäre am liebsten selbst mitgefahren. Daihatsu Deutschland hat uns technisch unterstützt und eine riesige Kiste mit T-Shirts für die Kids in Tadschikistan mitgegeben. Das war wirklich klasse. Auch die technische Unterstützung und die vielen Ratschläge, die wir aus dem deutschen Daihatsu Werk bekamen, waren Gold wert. Wer weiß schon, dass einem die Lichtmaschine Gute Nacht küsst, wenn man vier große zusätzliche Dachscheinwerfer daran anschließt. Wir nicht. Aber das ist genau das, was dieses unglaubliche Abenteuer überhaupt erst ausgemacht hat. Zwei Kumpels, ein Biest und das Abenteuer. Nicht mehr und nicht weniger. Das war mit Abstand der beste Trip unseres Lebens und ein Wendepunkt in unseren Karrieren.

Eigentlich haben wir beide schon immer etwas, naja, sagen wir mal, „ungewöhnlichere“ Trips in unserem Leben gemacht, aber dieser Trip hat uns in eine ganz andere Welt des Abenteuers aufsteigen lassen. Man könnte sagen, es ist die Spitze des Abenteuers. Letztendlich sind wir durch 15 Länder gefahren und bis nach Ulan Bator gereist. Aber der absolute Höhepunkt unseres Trips war der Pamir Highway in Tadschikistan mit seinen über 7000m hohen Bergen. Die Grenze zum Dach der Welt in einem Land, so schroff und unwirklich, wie man es sonst nur aus Sagen kennt.

In sieben Wochen und 18.027 km haben wir so viel gelacht, dass wir tagelang Muskelkater im Bauch hatten. Wir haben stundenlang mit Grenzern verhandelt, die uns nicht verstanden haben und wir sie nicht; wir haben The Beast festgefahren und wieder ausgegraben; wir haben Donuts auf 4600 Höhenmetern gedreht und fast die Kupplung versaut; wir haben so tiefe Flüsse durchquert, dass wir die Türen abkleben mussten; wir hatten Schnee im August; wir haben uns gezofft, wenn die Puste raus war, nur um eine Stunde später bei einem Lagerfeuer mit einem kasachischen Bier anzustoßen und wir haben Menschen getroffen die unser Leben und unsere Weltanschauung maßgeblich bereichert haben. Es war das geilste Abenteuer, das wir je erlebt haben.

Während unserer Reise haben wir uns noch zusätzliche Visa und Genehmigungen für Länder und Gebiete besorgt, für die wir keine Papiere hatten. Die Vorbereitungszeit war knapp und so kamen wir dazu, ein Tässchen Tee mit dem kirgisischen Botschafter in Tashkent zu trinken und  ein paar Papiere, die uns in Deutschland Wochen gekostet hätten, innerhalb weniger Stunden zu bekommen. Es braucht natürlich etwas Glück, um das hinzubekommen, aber es ist hauptsächlich eine Sache der Einstellung und der Hartnäckigkeit.

Was dann passierte…

Schon während unserer Reise war klar, dass dies nicht das letzte Mal sein wird. Wir waren schon vor der Reise kleine Abenteuerjunkies, aber dies war eine ganz andere Dimension. Wir fühlten uns wie Entdecker und Pioniere zugleich. Ein Gefühl, dass sich nur schwer beschreiben lässt. Man muss selbst mal in der Wüste sein Auto ausgegraben haben und durch Flüsse irgendwo im Nirgendwo gefahren sein, um in den Genuss dieses Gefühls zu kommen.

Ich gebe zu, die Organisation dieser Reise war chaotisch. Wir waren nicht nur in unterschiedlichen Ländern, sondern nicht einmal auf demselben Kontinent und wir waren zeitlich sehr eingeschränkt, was die Organisation erheblich erschwerte. Wir mussten tonnenweise Dokumente, Deklarationen, Genehmigungen und noch mehr Dokumente ausfüllen, nur damit uns jemand von irgendeiner zentralasiatischen Behörde erzählen kann, dass es inzwischen „neue“ Formulare gibt und wir doch bitte alles noch einmal machen sollen. Dazu kamen noch hunderte andere Dinge, mit denen wir uns herumschlagen mussten. Aber im Nachhinein hat es uns gezeigt, was man mit der richtigen Portion Motivation so alles auf die Beine stellen kann. Und das auch in kürzester Zeit.

Während unserer Fahrt haben wir oft darüber gesprochen, wie viel genialer es wäre, dieses Abenteuer noch einmal mit mehreren Leuten zu erleben. Zugegeben, wir hatten extrem viel Spaß, aber manchmal wurde es schon ein bisschen einsam. Auch wenn wir hin und wieder anderen verrückten Abenteurern begegnet sind. Wieder zu Hause angekommen, war es extrem schwierig unseren Freunden und Verwandten zu erklären, was für ein Gefühl es ist, wenn man so ein Abenteuer unternimmt. Wie schön wäre es, dachten wir uns, wenn man das Ganze mit vielen Gleichgesinnten teilen könnte. Menschen wie wir, die ein bisschen verrückt sind. Verrückt nach Abenteuer.

Das war der Beginn der Adventure Manufactory. Ein Schirm, wenn man so will, der Gleichgesinnte vereint und auf Entdeckungsreise schickt. Ein wilder Haufen unerschrockener Pioniere. Eine Vereinigung von Menschen, die neben ihrem normalen Leben etwas Außergewöhnliches suchen. Sie wollen vogelfrei sein. Einmal im Leben, und dann immer wieder.

Inzwischen sind wir auf dem besten Weg unseren Traum und den von vielen anderen zu verwirklichen. Wir organisieren die Tajik Rally. Wir nehmen die Hürden und das organisatorische Hickhack in die Hand und schicken einen Haufen tollkühner Entdecker auf das größte Abenteuer, dass sie je erleben werden. Den verdreckten und zugleich freudestrahlenden Leuten am Ziel in Duschanbe in die Augen zu gucken, sich zu umarmen, zu feiern und die kuriosesten Geschichten auszutauschen, das macht süchtig.

Seitdem unsere ersten Abenteurer von der 2011 Edition wieder zu Hause angekommen sind, arbeiten wir Tag und Nacht an neuen verrückten und tollkühnen Abenteuern und kuriosen Festen, die genau diese Menschen wieder zusammenbringen. In 2013 wird das nächste große Abenteuer starten. Ein komplett anderes Erlebnis, andere Hindernisse, andere Kulturen und andere Kuriositäten. Es wird wieder tough, aber darum geht es ja. Ein großartiges Abenteuer unter Gleichgesinnten erleben. Da darf man halt kein Waschlappen sein!

Und das ist erst der Anfang…


Wir sind auch nur ganz
"normale" Abenteurer die,
immer, wenn sie auf dumme
Gedanken kommen, diese auch
umsetzen.
Unserem Auspuffrohr war die Standardgeschwindigkeit
etwas zu viel geworden und hat sich an einem fetten
Stein verabschiedet. Auspuffrohre braucht eh keiner.
Alles überflüssiges Gewicht in unseren Augen. Also,
Taschenmessersäge raus und ab mit dem Ding!












Am Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan auf dem Pamir Highway findet sich das richtige Camp um unsere Zigarre zu entzünden und unsere Wodka Vorräte anzubrechen. Es kommt ein nostalgisches Gefühl in uns herauf und wir fühlen uns ein bisschen wie Entdecker!
Der Pamir Highway ist das absolute Highlight für uns. Auf 4655m zerfetzen wir uns fast die Kupplung mit zig Donuts. Egal, wir können hier unmögliche weg ohne das gemacht zu haben!
Ein großer See, irgendwo im Nirgendwo. Wir nehmen uns Zeit, um ein paar Dinge notdürftig zu reparieren, lassen die Seele baumeln und gehen schwimmen - auf 3800m über dem Meeresspiegel. Krass!
Eine kleine Nomadenansiedlung, zwei Tage relaxen, viel Lagerfeuer, gutes Essen und noch mehr Vodka! Mit dabei ist Will (links) ein Engländer den wir in Turkmenistan aufgegabelt hatten - er fuhr per Anhalter!
Frühstück, die wichtigste Mahlzeit des
Tages für jeden waschechten Abenteurer...
und dazu ein Gläschen Wodka - ok das ist
nur einmal passiert und wir waren quasi
gezwungen, Ehrlich! Aber das ist wieder
eine ganz andere Geschichte...
Ein ganz normaler Sonnenuntergang...
aber am Kaspischen Meer in Iran fühlt
es sich irgendwie anders an. Wir wür-
den uns nicht einmal mehr wundern,
wenn jetzt Aladin aus der Wunderlampe
vorbeikommt, um uns ein paar Melonen
zu verscherbeln.


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