Adventure Manufactory

Nadine und Erwin irgendwo im Nirgendwo
Ab Kasachstan sind unsere zwei zusätzlichen Kanister ständig randvoll gefüllt, so dass wir 30l Reserve unterschiedlichster Benzinmischungen immer bei uns haben. Diesmal ist es noch qualitativ hochwertiges 92er Oktan Benzin. Aus Atyrau hinaus nehmen wir leider einen etwas nördlicheren Weg als wir vor hatten und sammeln so einige Kilometer mehr an, als wir wollten - 120 km genauer gesagt. Das Erscheinungsbild der Polizisten hat sich durch Schutzwesten und schweres Geschütz geändert und wieder einmal hat die Polizei gefallen an uns gefunden… Stardiplomat Erwin live on Stage!... In Kasachstan fährt man ständig mit Licht an. Das haben wir zwar gemerkt, aber einmal vergessen und zack, rausgezogen worden. Wir stellen das Zelt etwas abseits der Straße versteckt in einer Mulde auf und kommen in den Genuss eines atemberaubenden Sternenhimmels.

Mit der Kirche ums Dorf
Mittwoch, 31. August 2011

„Warum einfach wenn es auch kompliziert geht!?!“ , so das Motto des Tages. Wieder einmal haben wir es geschafft, den etwas längeren, umständlicheren Weg einzuschlagen. Wer will schon eine Eins-A asphaltierte Straße befahren, wenn man die Chance hat…
  • an einer Ölpipeline samt Raffinerie vorbeizufahren,
  • zig Friedhöfe, die eher an Mausoleen erinnern, zu bestaunen,
  • eine löchriger Straße, die schlussendlich in eine Eins-A Off-Road Sand-Strecke mündet, zu befahren und
  • Herden von Kamelen zu sehen?!?

In Beyneu wird nach einer Unterbleibe geschaut und zum ersten Mal benötigen wir Cash aus dem Automaten. Außerdem macht Erwin erste Bekanntschaft mit weiblichen Groupies, die ganz angetan von ihm sind.

Grenzbegegnungen hoch 2
Donnerstag, 1. September 2011
Das letzte Mal Tanken in Kasachstan ist angesagt - man weiß ja schließlich nie, wie die Lage im nächsten Land bzw. an der nächsten Tankstelle aussieht. In Beyneu wird uns nach 20l der Zapfhahn abgedreht. Volltanken unerwünscht! Der Weg zur kasachisch- usbekischen Grenze existiert laut Google Maps nicht, d.h. der SPOT GPS Sender stellt den Daheimgeblieben eine recht interessante Routenwahl unsererseits dar. Aber es gibt tatsächlich einen Weg, mehr Sand-Geröll als Straße - Resultat: Donuts-Action im Sand.

An der kasachischen Grenze selbst wird uns vor Augen geführt, wie die Wachposten ein Auto systematisch auseinandernehmen und –bauen, wenn sie wollen. In der Zeit, in der wir für unser Gespräch warten, stellen sie ihre Gründlichkeit, Ausdauer und Kreativität des Filzens unter Beweis - zum Glück nicht bei unserer GENA.
Die Etappe im Niemandsland der kasachisch-usbekischen Grenze wird die längste auf unserer gesamten Reise sein. Massen an LKWs warten teilweise schon seit Tagen auf eine Einreise. Ein Einreihungssystem lässt sich für uns zu Beginn nicht erkennen und so dauert es seine Zeit, bis wir an all den LKWs vorbei die Schlange der PKWs finden. In der Zwischenzeit werden erste Kontakte geknüpft und Nadine landet in einer Runde von Weißrussen, die sie in ihren Trinkkreis aufnehmen. Dies endet für Nadine in drei Runden puren Wodkagenuss, wobei die Gefäße eher an normale Gläser erinnern als an Schnapsgläser.
Außerdem werden wir von zwei usbekischen LKW-Fahrern in ihr Führungshaus zu Chai (Tee) und Fladenbrot mit Fleisch eingeladen. Durch diese erhalten wir erste Einblicke in die usbekische Kultur und Gastfreundlichkeit, die uns durch das gesamte Land begleiten und uns immer wieder aufs Neue in Staunen versetzen wird.
Einige Zeit später erspähen uns die usbekischen Posten und winken uns durch. Frauen- und Europabonus sind eine wunderbare Kombination und wir werden behandelt wie Könige. Trotz allem kommen wir nicht daran vorbei, das Einreiseformular auszufüllen, auf der alle mitgeführten Wertgegenstände aufgezählt werden müssen - das dauert seine Zeit bei uns…
Nach SIEBEN Stunden sind wir offiziell in Usbekistan eingereist. Der Plan war an diesem Tag bis nach Muynak zu den gestrandeten Schiffen zu kommen - Satz mit X, das war wohl nix! Da es schlagartig gegen acht Uhr abends dunkel wird, suchen wir nach einer geeigneten Stelle in der Nähe der Straße, so dass wir GENA dahinter verstecken und das Zelt daneben platzieren können.
Wieder einmal sendet das SPOT GPS Gerät eine „Gute Nacht“ Nachricht aus dem Nirgendwo an diejenigen, die uns auf unserem Abenteuer verfolgen.

Hallo Aral-Pfützchen
Freitag, 2. September 2011
Wurde eigentlich schon erwähnt, dass Schilder eine wunderbare Erfindung sind und wirklich einen enormen Nutzen haben?!? Merkt man wie so oft erst, wenn sie einem nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die Wüste der Schiffe im Aralsee
Frühmorgens machen wir uns auf den Weg und ja, wen wundert es noch, wir kommen zuerst nicht an unserem erwünschten Ziel an. Erst durch die Hilfe von Einheimischen, die auch auf dem Weg in Richtung gestrandeter Schiffe unterwegs sind, kommen wir in den Genuss dieser bizarren Kulisse: Schiffe mitten im Nichts, umgeben von einem Meer aus Sand. Der Aralsee selbst ist weit und breit nicht zu sehen bzw. ist er schon seit 1970 nicht mehr von diesem Ort aus zu bestaunen. Der einst viertgrößte Binnensee der Welt ist nur noch eine kümmerliche Pfütze und ein trauriger Abklatsch seiner selbst.
Außerdem lernen wir an diesem Tag, dass Usbeken eine Tendenz zum Geisterfahrertum aufweisen bzw. wird der Gegenverkehr einfach mal auf die andere Fahrseite geleitet ohne, dass darauf aufmerksam gemacht wird. Nach einer Weile merkt man dann „Okay, SO viele Geisterfahrer kann kein Land auf dieser Erde hervorbringen“. Auch wir werden einige Male auf die andere Seite geleitet. Trotz allem immer wieder hochinteressant: andere Länder, SO ETWAS von andere Sitten!
Die Benzinpanscherei und –mischerei erreicht einen neuen Grad an diesem Tag: Dank unserer Bekanntschaft kommen wir nicht nur an zehn Liter 80 Oktan Benzin um GENA vor dem Verdursten zu retten, sondern zusätzlich noch in den Genuss von 91(!!!)er Oktan- unter der Hand zu dort horrenden Preisen- umgerechnet 1€/l müssen wir in Nukus für den Sprit auf dem Schwarzmarkt hinlegen. GENA dankt es uns und bereitet uns Freude durch weniger Sand-im-Getriebe-Sound. Wir haben eine neue Oktanzahl kreiert- 86 Oktan befinden sich nun im GENA‘schen Tank. Wieder einmal kommt abends das Zelt zum Einsatz.

Sandboarden X-Treme
Samstag, 3. September 2011
Eine gute Straße!
Unser Lagerplatz abseits der Hauptstraße stellt sich als recht stark frequentierte LKW-Zufahrt zu einer Baustelle heraus. Zumindest hat es den Anschein. Der Morgen wird also so wie immer verbracht: Fotos machen, Sachen und Zelt zusammenpacken, frühstücken, Katzenwäsche. Nur haben wir dieses mal eben etwas mehr Publikum als sonst.
Die Fernstraße nach Bukhara, die wir befahren müssen, stellt sich für 120km als Sand-Geröll-Chaos-Straße mit Kamikaze-Fahrstil aller Beteiligten heraus. Mal bestehend aus Asphalt, dann wieder mehr Schlaglöcher als Belag, aber auch mal nur purer Sand. Dies verbunden mit einer krassen Neigung der Straße lässt GENA durch die Bodenschutzplatte zum Spielzeug der Kräfte werden. Wir rutschen zweimal in den Sand und können uns nur durch die tatkräftige Unterstützung der helfenden Hände von Feldarbeitern, Schaulustigen und des Abschleppseils aus diesem Schlamassel befreien. Haben wir uns am Tag davor noch über die Geisterfahrer amüsiert, so ist dieser Tag eine weitere Steigerung des „ich fahre auf meiner eigenen imaginären Spur, egal ob der Gegenverkehr von rechts oder links kommt!“ - Absoluter Wahnsinn!
Gegen 18Uhr haben wir es nach einigen weiteren Polizeikontrollen geschafft und sind in Bukhara angekommen. Dort werden wir vom Chef des dortigen KÄRCHER Shops schon erwartet und er checkt uns in das von KÄRCHER Usbekistan gesponserte Hotel ein. Wir sind erstaunt, was sich innerhalb von drei Tagen an Dreck an einem menschlichen Körper so ansammeln kann. Auch GENA wird einmal komplett gereinigt und sieht somit wieder aus wie neu! Was für ein Unterschied im Erscheinungsbild des gesamten Teams!
Abends heißt es dann Fastenbrechen zelebrieren und so endet der Abend in feucht-fröhlichen Lobeshymnen auf dieses Land, die Gastfreundschaft seiner Einwohner, das phänomenale Essen und auf das wunderbare Abenteurerleben des BECKER-TEAMs.

Delirium and the days after
Sonntag, 4. September 2011
Panzerband - der Alleskönner
Der feucht fröhliche Vorabend hat die Konsequenz, dass an weiterfahren an diesem Tage nicht zu denken ist. Stattdessen bleiben wir länger in Bukhara und lernen mehr über Gesellschaft, Bräuche und den Alltag der Usbeken bei stundenlangen Gesprächen mit Essen und Trinken. Vor dem Abendessen müssen wir nochmals einige kleine Reparaturen an GENA vornehmen: Es ist wieder einmal Panzerband-Zeit, diesmal für das abgefallene Belüftungsrohr – aber wer brauch so was schon!

Montag, 5. September 2011
Am Vormittag haben wir die Chance, die Altstadt Bukharas zu bestaunen: man fühlt sich versetzt in die Märchen aus 1001 Nacht - wunderschön. Nach einem weiteren Mahl, bestehend aus Fleisch mit Fleisch und dazu noch Fleisch, machen wir uns auf den Weg in Richtung Hauptstadt. Ab nach Tashkent, mehr als 40 Stunden später als geplant, aber so ist das nun mal auf einem Abenteuer. Die Planung ist nur da, um das eigene Selbst zu beruhigen. Eigentlich weiß man eh, dass sie spätestens in 45min wieder in die Tonne fliegt, um durch Plan B, C oder X ersetzt zu werden.
Rajasthan in Samarkand, Usbekistan
Da die Hauptverkehrsstraße uns auch durch etliche Ortschaften führt, kommen wir nur in sehr zähem Tempo voran. Außerdem gibt es, wie so oft zuvor, etliche Polizeikontrollen, die wir passieren müssen und Erwin darf auch an diesem Tag sein Verhandlungsgeschick mit der Polizei unter Beweis stellen. Diesmal bezüglich der Überschreitung des Tempolimits innerhalb einer Ortschaft.
Es ist acht Uhr abends, wir haben für 300km fünfeinhalb Stunden benötigt, es wird dunkel, GENAs Scheinwerferlicht taugt für hiesige Straßenverhältnisse nicht allzu viel und so hoffen wir, dass die gewechselten Birnen etwas mehr Leistung bringen - dies ist jedoch nicht der Fall. Gegen 23 Uhr geben wir ca. 150 km Nordöstlich von Samarkand auf, in dieser Nacht Tashkent noch erreichen zu wollen und schlagen das Zelt nicht unweit von der Hauptstraße auf.

From rags to riches
Dienstag, 6. September 2011
Nachdem wir so früh wie möglich aufgebrochen sind, kommen wir am Vormittag in Tashkent an und werden dort von den KÄRCHER Mitarbeitern in Empfang genommen. Uns erwarten an diesem Tag drei warme Mahlzeiten, eine Übernachtung in einem Hotel, eine sehr moderne Hauptstadt mit fast europäischem Flair (dieses Land ist voller Gegensätze!) und Einblicke in das KÄRCHER Central Asia Center, das noch im Bau ist.
Provianttechnisch bereiten wir uns auf das Pamir-Gebirge vor und kaufen Nüsse, Trockenfrüchte und Wasser in Massen. Laut unseres Zeitplans hätten wir schon an diesem Tag das Vergnügen mit der Höhenluft gemacht. Die Zeit läuft uns langsam davon. In vier Tagen wollen wir in Dushanbe sein, äh… ja…

Snoop Doggy Dog
Mittwoch, 7. September 2011
Nachdem wir um kurz nach sechs Uhr morgens GENA mit gutem 91er Oktan volltanken bzw. übertanken lassen (die Dame an der Tankstelle meinte es äußerst gut mit uns und so bildet sich eine Benzinlache unter GENA. Wohlgemerkt, in West- Usbekistan ist eine Benzinknappheit, hier scheint das aber niemand so wirklich zu interessieren), geht es für uns endlich los in Richtung Kirgistan. Unsere erste Passüberquerung über 2400m erwartet uns noch in Usbekistan. Gegen vier Uhr nachmittags erreichen wir die usbekisch- kirgisische Grenze, unsere vorletzte Grenzkontrolle!!!
Diese hat es allerdings in sich - so nett die Usbeken bei unserer Einreise waren, so affig verhalten sie sich bei unserer Ausreise. Den Herren scheint wohl langweilig zu sein und so nehmen sie unser Auto auseinander, ein Hund springt in und auf GENA herum und muss sogar über den Motorblock laufen und alles beschnuppern. Kreativ sind die Herren ja schon. Außerdem wird auch Erwins Notebook mit unserem gesamten Film- und Fotomaterial unter Beschlag genommen und durchstöbert. Und natürlich finden die Herren auch ein Bild, dass uns als Spione in Spe dastehen lässt- ein Bild einer russischen Kaserne. Wir wurden ertappt. Hilfe! Also gelöscht das Teil, bzw. in den Papierkorb geschoben, nur um es bei der nächsten Nutzung wieder herzustellen. Zusätzlich finden sie eine Bedienungsanleitung-PDF zum SPOT Messenger und fragen Erwin, ob dies eine Anleitung zum Waffenbau sei. Äh… Nein!?!
Auch am BECKER-TEAM Stempel haben die Herren großes Interesse und untersuchen, ob man mit diesem irgendeine Art der Dokumentenfälschung vornehmen kann. Im Vergleich dazu ist der kirgisische Grenzübergang ein Klacks und innerhalb von zehn Minuten erledigt, wobei die Soldaten spaßeshalber versuchen, Erwin ein Rasierset für 5$ anzudrehen, da sie ihn mit seinem Bart nicht eindeutig als die Person auf dem Passfoto identifizieren können.

Nach dem Weg fragen ist einfacher gesagt als getan
Direkt nach der Grenze liegt die Stadt Osh, die wir durchfahren müssen und uns dann südlich in Richtung Pamir-Gebirge halten. Erneut ist dies einfacher gesagt als getan. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt müssen wir einige Male nach dem Weg fragen um die M 41 zu finden. Die Einheimischen haben ganz unterschiedliche Meinungen über die richtige Strecke und wohin ihre Straßen denn überhaupt führen. Unser Hin- und Hergefahre fällt auch den Daheimgebliebenen durch den SPOT auf und so erhalten wir eine SMS, die uns mitteilt, dass wir auf der falschen Straße sind - ach wirklich!?!
Da es um acht Uhr wieder einmal stockdunkel wird und man die Esel, Ziegen und Schafe, die so nachts über die Straßen getrieben werden, erst in letzter Sekunde sieht, heißt es für uns erneut wild Campen abseits der Straße. Die Temperatur in dieser Nacht lässt uns langsam erahnen, was uns im Pamir Gebirge erwarten wird.

Episode 3 folgt am 08. März 2012
Verfasst von Nadine Übelhör, Dez. 2011

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