Adventure Manufactory


Tsumeb, Namibia. Es ist Anfang August, also tiefster Winter südlich der Halbkugel und man merkt es wirklich. Tagsüber 25°C und strahlender Sonnenschein - fehlt nur noch Wasser um so richtig Urlaub zu machen (gibt’s aber nicht, jedenfalls nicht viel, weshalb ich auch zum Arbeiten dort war). So ein Leben zwischen Arbeit, Grillpartys und Partys ohne Grill ist schon was Hartes... Aber wer jemals im Ausland gearbeitet hat weiß, es gibt immer andere “expats” die dir ein paar Drinks ausgeben und mit dir über die Zustände im Land und das Leben an sich jammern. Also gehe ich an einem Abend mal wieder zum Essen im Hinterhof der (deutschen) Bäckerei wo die (italienische) Bäckersfrau Pizza und was eben sonst grade da ist verkauft und Geschichten erzählt, emotional, aufregend aber immer so dass man ihr zustimmen muss: die Welt ist schlecht, aber zum Glück gibt es ja uns noch!

Karneval in Namibia
Quelle: Ein Jahr Tsumeb - Blog

Denke ich mir dann so. Aber diesmal gibt es eine Ankündigung, Franca begrüßt mich schon am Tor in ihrem drolligen, fast-deutschen Akzent “Kommst du zu die Karneval?” Ich, leicht verwirrt “Karneval?” “ja am Freitag, beim Schützenverein.” Schützenverein - da denkt man ich kenne diese 17.000 Einwohner-Stadt nach 5 Monaten gut genug um die größeren Einrichtungen zu kennen. Stellt sich über Pizza und Bier heraus, ja es gibt einen Schützenverein Tsumeb, und ja, am Wochenende ist dort TsumKa - Tsumeb Karneval. Im August. Man ist ja immer offen für neues und ich denke mir das wird sicher ein niedlicher Abend, wie umwerfend wird so ein Karneval denn hier schon sein? Also sage ich zu, man könne ja beim (deutschen) katholischen Pfarrer mitfahren, der gehe auch. Letzten Endes kommen noch einige mit, so dass ich selber fahren muss aber im Konvoi kann ich das Ziel auch nicht verfehlen.

Auf dem Weg zum Karneval...
Und so ziehen wir am Freitagabend los, auf der Straße ist nach Sonnenuntergang fast niemand mehr zu sehen - der Karneval kann so groß nicht werden. Wie üblich endet die Teerstrecke, und nach ein paar Kilometern Staub biegen wir von der Straße ab. Man muss  sich das so vorstellen: Staubige Hügellandschaft, Busch, in einer Senke ein großer Parkplatz mit säuberlich abgetrennten Reihen von Stellplätzen, Sandboden, ein langgestrecktes Gebäude. Und es ist voll. Wir sind offenbar spät dran, der Parkplatz ist voll von Geländefahrzeugen mit Nummern aus dem ganzen Land.

Ja, und dann gab es ein riesiges Buffet, und einen ordentlichen rheinischen Karneval - alles inklusive: Eine Gruppe Gardemädchen sorgte für Stimmung und Sketche für Unterhaltung, es gab viel Bier (aus Namibia, aber “gebraut nach dem deutschem Reinheitsgebot”) und die obligatorischen Schunkelwalzer und mehr oder weniger aktuellen Karnevalshits durften auch nicht fehlen, über allem wachte der Elferrat. Das Gefühl mitten in Namibia, umgeben von Busch, im August Karneval zu feiern war schon gewöhnungsbedürftig. Nach dem Auszug (Allee, Allee!) der Elfer und dem Ende des Abends hatte man das Gefühl zurück nach Afrika zu kommen, nicht einfach nur zurück in die Stadt.

Erzählt von Matthias Kunz

Leave a Reply