Adventure Manufactory

Mit 32 kg Schokolade durch das ewige Eis – Inselurlaub extrem!

Die Mädels haben Nerven bei der Kälte!


Einige von euch durften sie sicherlich schon bei der European Outdoor Film Tour in ihrem Kurzfilm kennenlernen - die Baffin Babes. Und jeder, der den Vieren auf irgendeine Art und Weise einmal begegnet, wird verstehen, warum wir gar nicht anders können, als für euch über die Power-Mädels aus Schweden und Norwegen zu berichten.

Die vier Baffin Babes, das sind die Schwestern Vera (30 Jahre) und Emma (28 Jahre) und deren Freundinnen Ingebjoerg (29 Jahre) und Kristin (30 Jahre) aus Norwegen und Schweden – plus die beiden Hunde Anu und Buck. Sie alle legen in 80 Tagen ziemlich genau 1200 Kilometer auf Skiern zurück und beweisen in der arktischen Eiswüste, dass auch Frauen verdammt hart im Nehmen sind und den Männern in nichts nachstehen. Mit 100kg schweren Schlitten (pro Babe) zogen sie los, bei -40°C und mit 32kg Schokolade im Gepäck! In der von Männern dominierten Outdoorwelt mussten sie sich von vielen anhören, sie würden es nicht schaffen, aber sie haben es geschafft!

Die Baffin Babes
Pressefoto / European Outdoor Film Festival 2012.


Die Geschichte eines krassen Abenteuers
Viel Sport in Verbindung mit einem rigorosen Süßigkeitenverbot sind das Höchstmaß an Tortur, das sich viele Frauen zumuten, um die ersehnte Bikinifigur für den Strandurlaub zu bekommen. Der Hungerstreik geht oft schon im Frühjahr los! Reif für die Insel sind die Baffin Babes auch. Doch auf die Bikinifigur können die Baffin Babes getrost sch…! Ihr Reiseziel ist Baffin Island im hohen Norden Kanadas. Bis zu acht Schichten Bekleidung sind hier am Polarkreis nötig um die klirrende Kälte zu überstehen. Und das bei 24 Stunden Sonnenschein am Tag!

„Train to get fit and eat to get fat!“  Das ist der Leitspruch der Baffin Babes.

[Die Baffin Babes
Pressefoto / European Outdoor Film Festival 2012]


In 80 Tagen wollen sie die 1200 Kilometer von Qikiqtarjuaq bis Pond Inlet mit Skiern und Pulkas zurücklegen. Um fit genug für diesen Extremtrip zu sein, absolvieren die vier Frauen im Vorfeld ein schweißtreibendes Trainingsprogramm, stapfen zum Beispiel stundenlang mit einer vollgepackten Pulka im Schlepptau durch den Tiefschnee oder ziehen bei Wanderungen einen Traktorreifen hinter sich her. Die gute Nachricht: Hungern muss niemand. Stattdessen gibt es Chips und Schokolade satt. Bei einer Expedition durch die arktische Eiswüste kann ein kleines Fettpolster auf den Hüften nie schaden. Fett hält ja bekanntlich warm!


Hier regieren die Eisbären
Nach einem Jahr Vorbereitung geht es im März 2009 endlich los. Und von Anfang an läuft wenig so, wie es eigentlich geplant war. Ohne zwei Wachhunde wollen sich die Baffin Babes nicht aufs Eis wagen. Verständlich, denn sie begeben sich direkt ins Jagdgebiet der Eisbären. Es ist aber gar nicht so einfach jemanden zu finden, der ihnen zwei Hunde verkaufen möchte. Doch am Ende hat Kristin Erfolg und kehrt mit Buck („Den kannst Du haben. Er ist zwar auf einem Auge blind, aber sehr stark und erfahren!“) und Anu („Sie hat noch nie einen Schlitten gezogen, aber Du kannst es auf einen Versuch ankommen lassen!“) zu den anderen Babes zurück.

Die Pulkas sind randvoll bepackt. Ungefähr 400 Kilo Gepäck braucht man für 80 Tage auf dem Eis. Gerecht verteilt auf 4 Pulkas macht das 100 Kilo für jeden. Unter den Nahrungsmittelvorräten, die zum größten Teil aus gefriergetrockneten Fertigmahlzeiten bestehen und nur noch mit Wasser aufgegossen werden müssen befinden sich auch 35 Kilo Schokolade. Insgesamt 92 Liter Benzin fallen ebenfalls stark ins Gewicht. Doch wie sonst sollte man hier draußen bei teilweise -40°C den Schnee zum Schmelzen bringen außer mit einem Benzinkocher?

„Wir sind unterwegs. Endlich! Aber die strenge Kälte ist eine ständige Herausforderung. Um uns warm zu halten tragen wir drei Lagen Skiunterwäsche und ziehen unsere gestrickten Fingerhandschuhe niemals aus. Und jeden Tag treffen wir auf frische Eisbärenspuren. Im Geiste habe ich schon sämtliche Varianten von Eisbärbegegnungen durchgespielt, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich im Ernstfall regieren würde.“ (aus Veras Tagebuch).

Auch wenn es schwierig ist sich bei Tage im Packeis zu orientieren und Eisbären zu erspähen, so lauert die eigentliche Gefahr in der Nacht. Damit wenigstens drei von vier Baffin Babes ruhig schlafen können, halten sie abwechselnd Eisbärenwache. Das Gewehr liegt stets griffbereit und sollten Buck und Anu Alarm schlagen, wird der Bär mit einem Warnschuss in die Flucht geschlagen. Zumindest in der Theorie stellen sich die Vier das so vor…

Wie sich später herausstellte hatten die Babes die Rechnung ohne Anu und Buck gemacht. Die beiden hatten nämlich alles andere im Sinn, als Alarm zu schlagen. Mit diesem Wissen konnten die vier nur noch beschwerlich schlafen.


Eiszapfen im Schlafsack
Man macht sich keine Vorstellung davon, wie schweinekalt es sein kann. Morgens ist es am schlimmsten, wenn man wieder aus dem warmen Schlafsack herauskriechen muss. Doch nach einigen Tagen auf Tour wachsen die Eiszapfen sogar schon in Emmas Schlafsack – obwohl die vierlagige Konstruktion genau dies verhindern sollte. Um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen, lassen die Baffin Babes jeden Morgen Arme und Beine kreisen – gerne auch zu den Klängen von Missy Elliot. Denn Bewegung ist das Einzige, das gegen das Taubheitsgefühl in Fingen und Zehenspitzen etwas ausrichten kann.


[Das nennen wir hart im Nehmen: Ein Eisbad in der Eiswüste!
Pressefoto / European Outdoor Film Festival 2012.]

Was unter keinen Umständen kalt werden darf, wird an einem ganz besonderen Platz verstaut - im BH. Immerhin ein Vorteil, den die Baffin Babes gegenüber ihren männlichen Abenteurerkollegen haben. Die Pumpe für den Benzinkanister ist ein solches Utensil. Unscheinbar und klein, doch sollte sie spröde werden und kaputt gehen, steht das Mittagessen auf dem Spiel. Das kann man am Polarkreis nicht riskieren. Die Pumpe teilt sich das begehrte warme Plätzchen mit Batterien, Kontaktlinsen und einem iPod. Und manchmal wünschen sich die Baffin Babes, sie könnten selber dort hineinkriechen.


Völlig abgeschnitten
Die Tage sind lang auf Baffin Island. Oft ist es viel zu kalt zum Reden, dann hängen Vera, Emma, Ingebjørg und Kristin ihren eigenen Gedanken nach. Was gerade draußen in der Welt geschieht, geht an ihnen vorbei: Bombenangriffe in Afghanistan, Schweinegrippe in Mexiko. Auf Tour ist das alles unerheblich. Die Baffin Babes befinden sich in ihrem eigenen kleinen Universum und genießen die Stille, die Einsamkeit und die Freiheit – obwohl die Schuhe drücken, der eisige Wind durch Mark und Bein fährt und die Angst vor den Eisbären jeden Schritt begleitet.

Mitten in der Eiswüste von Baffin Island: Einsamer geht es kaum!
Pressefoto / European Outdoor Film Festival 2012.

80 Tage ohne Dusche und Toilette sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber für die Baffin Babes ist das Fehlen sanitärer Anlagen kein Grund nicht auf Tour zu gehen und – wenn auch nur für knappe drei Monate – „auszusteigen“, sich zu verausgaben und dabei trotzdem neue Kräfte zu sammeln. Reduziert auf die drei Konstanten Essen, Schlafen und Gehen ist das Leben hier draußen gefährlicher und einfacher zugleich. Es wird getan, was getan werden muss, denn die Konsequenzen können lebensbedrohlich sein.

„Auf dem Rückflug überqueren wir die Strecke, für die wir mit Skiern 80 Tage gebraucht haben, in nur zwei Stunden. Von oben sieht das alles so klein aus. Aber in meiner Erinnerung ist es immer noch groß und unendlich. Erst als ich in Göteborg in den Bus steige wird mir bewusst, wie weit wir von der Zivilisation, ihrem Tempo und dem pulsierenden Leben entfernt waren. Ich muss austreten und für den Bruchteil einer Sekunde denke ich daran einfach die Hosen runter zu lassen. Ich finde eine Toilette, doch die Benutzung kostet zehn Kronen. Geld habe ich keines dabei, den Code für meine Bankkarte und mein Handy habe ich vergessen. Mir ist, als ob ich mich in Zeitlupe bewege, während alles andere um mich herum in Höchstgeschwindigkeit vorbeisaust.“ (aus Emmas Tagebuch).

Quellen: EOFT, XsportSisters, MountainFilmFestival

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